1. Reha KI Summit: Warum die Reha bei KI nicht länger abwartet

Rund 180 Entscheider:innen aus der Reha diskutierten beim 1. Reha KI Summit in Berlin, was KI in Kliniken wirklich leisten kann. Unser Rückblick fasst die drei zentralen Thesen zu Nutzen, Verantwortung und Technologie zusammen und zeigt, was Reha-Kliniken jetzt konkret tun können.

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1. Reha KI Summit: Warum die Reha bei KI nicht länger abwartet

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Kostendruck, Fachkräftemangel, eine Technologie im Rekordtempo: Am 30. September 2026 trafen sich rund 180 Entscheider:innen aus der Reha zum 1. Reha KI Summit im Merantix AI Campus in Berlin. Ein Rückblick auf die zentralen Thesen und darauf, was Kliniken jetzt daraus mitnehmen können.

Wie relevant das Thema inzwischen ist, zeigte schon die Gästeliste. Mit dabei waren die Verbände BDPK, DEGEMED, VKD, VNR und der KI Bundesverband, große Träger wie MEDIAN, KMG Kliniken, VITREA und MEDICLIN sowie Vertreter:innen der DRV. Gemeinsam mit Chefärzt:innen und Technologieanbietern diskutierten sie einen Tag lang, was KI für die Reha leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.

Auffällig war, wie sehr sich die Stimmung gedreht hat. Benjamin Pochhammer (FICUS Health) erinnerte daran, wie er mit digitaler Therapie bei Caspar Health „fünf Jahre lang gegen Mauern gelaufen“ sei, heute erlebe er maximale Offenheit. Stefan Eschmann (KMG Kliniken) sieht eine Offenheit für neue Themen, „wie ich sie aus den letzten 20 Jahren nicht kenne“.

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Die Ausgangslage: Reha im Schraubstock

Warum das Thema gerade jetzt drängt, zeigte Thomas Bublitz vom BDPK mit einem Schraubstock. Auf der einen Seite die Krankenversicherung, auf der anderen die Rentenversicherung, dazwischen die Reha. Er nannte knappe Budgets, Ambulantisierung, Demografie, Überregulierung und Kosten, die schneller steigen als die Refinanzierung.

Die Zahlen geben ihm recht. 2025 hat die Rentenversicherung ihr Reha-Budget von 8.607 Mio. Euro um 58 Mio. Euro überschritten (BMAS-Antwort auf eine schriftliche Frage, April 2026). Nach § 220 SGB VI muss eine Überschreitung im zweiten Folgejahr wieder eingespart werden, die DRV Westfalen warnt deshalb vor Kürzungen ab 2027.

Bublitz’ Konsequenz: „Die Prozesse in den Kliniken müssen schneller werden. Sie müssen kostengünstiger werden. Sie dürfen aber nicht schlechter werden.“ Und er ergänzte: „Wer über Effizienz spricht, darf auch das Wort Effektivität nicht vergessen.“

Während inzwischen jedes dritte Unternehmen in Deutschland mit mindestens 20 Beschäftigten KI nutzt (Bitkom, 2025), kommt sie in der Versorgung deutlich langsamer an. Bei erst 18 % der Klinikärzt:innen ist KI im Einsatz (Bitkom und Hartmannbund, 2025). Am Willen liegt das nicht: 78 % der Ärzt:innen sehen in KI eine große Chance für die Medizin.

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Thomas Bublitz (BDPK)

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Drei Thesen, die sich durch den Tag zogen

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1. Problem und Nutzen sind entscheidend

Kaum jemand auf der Bühne sprach über Modelle oder Algorithmen. Stattdessen ging es um Pain Points und messbaren Nutzen. Annegret Balters (VITREA) riet: „Nicht bei der Technologie anfangen, sondern bei den großen Problemen, die wir alle haben.“ Stefan Eschmann stellt vor jedem KI-Projekt zwei Fragen: Verbessert es spürbar die Qualität oder die Wirtschaftlichkeit? Wenn nicht, wird es zurückgestellt.

Prof. Dr. Marc Baenkler (Corius Group, Advisory Board MEDIAN) wurde noch deutlicher: „Es gibt total tolle Sachen, die bringen nur alle gar nichts.“ Sein Fazit: „KI ohne ROI ist Kunst.“ Bei MEDIAN hat jedes Projekt deshalb feste Abbruchkriterien. Eschmann sieht die Branche an einem Wendepunkt: KI unterstützt nicht mehr nur, sie beginnt, Kosten zu sparen.

Was das bedeutet: Wer beim Problem anfängt, kann den Nutzen von Anfang an messen. Das schafft Akzeptanz im Team, liefert der Geschäftsführung belastbare Zahlen und verhindert, dass Budget in Projekte fließt, die nach dem Pilotbetrieb wieder verschwinden.

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2. Der Mensch entscheidet, die Architektur schützt

Niemand auf der Bühne sprach davon, Ärzt:innen oder Therapeut:innen zu ersetzen. Dr. Britta Menne (Rehaklinik Glotterbad) zitierte eine Kollegin, die KI als „dritte Instanz im Raum“ sieht, die unterstützt und Freiräume schafft. Die letzte Entscheidung bleibt beim Menschen, das sogenannte Human-in-the-Loop-Prinzip.

Rechtsanwalt Helge Huffmann (Schön Klinik und FICUS Health) warnte allerdings, dieses Prinzip sei „kein Freifahrtschein“: Wer tausendmal gute Ergebnisse sieht, klickt beim tausendundersten Mal eher ungelesen weiter. Gleichzeitig räumte er mit dem Mythos auf, Datenschutz bremse KI aus: „Nicht der Datenschutz verhindert KI, sondern eine schlechte Architektur.“ Die DSGVO verbiete KI nicht, entscheidend seien sichere Infrastruktur, klare Verträge und eine durchdachte Produktgestaltung.

Was das bedeutet: Verantwortung und Datenschutz sind keine Bremsen, sondern Gestaltungsaufgaben. Kliniken sollten bei Anbietern gezielt nach Hosting, Zertifizierungen und Datennutzung fragen und intern klare Freigaberegeln und Schulungen etablieren. So wird Human in the Loop gelebte Praxis statt einer Formalie.

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3. Dokumentation zuerst, aber nicht als Insellösung

Auf die Frage nach dem größten Schmerzpunkt kam in fast jedem Beitrag dieselbe Antwort: die Dokumentation. Benjamin Pochhammer nannte die Reha „die Königsdisziplin der Dokumentation“. Dr. Christian Sellenthin (VITREA Klinik Scheidegg) beschrieb, was KI hier verändert: Er sitzt Patient:innen heute eine Dreiviertelstunde gegenüber, schaut ihnen in die Augen und kann reagieren, statt mitzuschreiben.

Gleichzeitig warnten mehrere Redner:innen vor einem Flickenteppich aus Einzeltools. Für Dr. Rasmus Rothe (Merantix) entsteht echter Mehrwert erst, wenn KI ganze Prozessketten abdeckt und Zugriff auf die Systeme hat. Sonst produziere sie „nur mehr Daten“.

Wie das aussehen kann, zeigten Dr. Mario Elstner und Till Scholich (FICUS Health) zum Abschluss des Tages. Statt immer neuer Einzeltools brauche die Reha ein KI-Betriebssystem, das Aufnahme, Belegung, Dokumentation und Therapieplanung verbindet: Informationen werden nur einmal erfasst, Engpässe wie Krankmeldungen automatisch aufgefangen und der Entlassbericht liegt schon am Entlasstag vor. Sonst, so ihre Warnung, „sitzen wir in ein paar Jahren wieder hier und beschweren uns über unsere alten Systeme – nur dass diese Systeme dann KI können“.

Was das bedeutet: Dokumentation ist der naheliegende Einstieg, weil der Zeitgewinn hier am schnellsten spürbar ist. Wer heute ein Tool auswählt, sollte aber schon fragen, ob es sich in die bestehende Systemlandschaft einfügt und später mit Aufnahme, Belegung und Therapieplanung zusammenspielen kann. Dazu gehört, Lösungen zu wählen, die miteinander und mit dem KIS sprechen, und als Kliniken gemeinsam Druck auf die KIS-Hersteller zu machen, damit die nötigen Schnittstellen entstehen.

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Till Scholich und Dr. Mario Elstner (FICUS Health)

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Fazit: Was Reha-Kliniken jetzt tun können

Der 1. Reha KI Summit hat gezeigt: Die Reha ist bereit für KI. Die Frage ist nicht mehr, ob KI in den Kliniken ankommt, sondern wie. Aus den Diskussionen des Tages lassen sich fünf Empfehlungen ableiten:

  1. Klein, aber messbar starten: Ein konkretes Problem wählen, Erfolgskriterien vorab festlegen und nach einigen Monaten ehrlich bewerten.
  2. Mit der Dokumentation beginnen: Hier ist der Zeitgewinn für Ärzt:innen und Therapeut:innen am schnellsten spürbar.
  3. Motivierte Teams voranschicken: Mit Pilotgruppen starten, die Lust auf Veränderung haben, und den Rest durch Ergebnisse überzeugen.
  4. Datenschutz von Anfang an mitdenken: Hosting, Zertifizierungen und Datennutzung bei Anbietern prüfen und interne Freigaberegeln schaffen.

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Der erste Schritt ist gemacht: Die Reha hat begonnen, die richtigen Fragen zu stellen. Jetzt geht es darum, die Antworten gemeinsam zu finden – Klinik für Klinik, Prozess für Prozess, und immer mit dem Ziel, dass am Ende mehr Zeit für die Menschen bleibt, um die es in der Reha eigentlich geht. 

Sie möchten erfahren, wie FICUS Prozesse in Dokumentation, Aufnahme und Belegung in Ihrer Einrichtung unterstützen kann? Sprechen Sie mit unserem Team.

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Quellen